Mit Salz gewürzt

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„Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, damit ihr wisst, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt." — Kolosser 4,6
Ein Gedanke für heute
Ein Kollege lästert über Gott. Ein Familienmitglied macht sich lustig über deinen Glauben. In den sozialen Medien liest du Spott über Jesus. Was tust du?
Schweigen – und dich fragen, ob du gerade deinen Herrn verleugnest? Oder lautstark dagegen halten – und dich fragen, ob du gerade mehr schadest als hilfst?
Diese Spannung kennen viele Christen. Und die Bibel lässt uns damit nicht allein.
Die Spannung aushalten
Auf der einen Seite steht das klare Gebot:
„Seid allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung." — 1. Petrus 3,15
Auf der anderen Seite steht die Warnung:
„Wer einen Spötter züchtigt, holt sich Beschimpfung, und wer einen Gesetzlosen zurechtweist, der holt sich Schmach. Weise nicht den Spötter zurecht, damit er dich nicht hasst; weise den Weisen zurecht, und er wird dich lieben!" — Sprüche 9,7-8
Und Jesus selbst sagt:
„Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Säue." — Matthäus 7,6
Das klingt widersprüchlich. Ist es aber nicht.
Der Unterschied
Es gibt einen Unterschied zwischen dem, der fragt, und dem, der spottet. Zwischen dem, der sucht, und dem, der nur provozieren will.
Dem Fragenden – antworte. Mit Gnade. Mit Klarheit. Auch wenn die Frage unbequem ist.
Dem Spötter – verschwende nicht deine Perlen. Nicht jede Lästerung braucht deine Reaktion. Manche Menschen wollen keine Antwort – sie wollen nur Streit. Dort dein Pulver zu verschießen hilft niemandem.
Die Kunst ist: Erkennen, wer vor dir steht.
Wie dann reden?
Wenn du redest – dann so:
In Gnade. Nicht von oben herab. Nicht rechthaberisch. Nicht so, als hättest du alle Antworten und der andere sei dumm. Du warst selbst einmal fern von Gott. Das zu vergessen macht uns unerträglich.
Und vielleicht liest du das gerade und bist selbst noch auf dem Weg. Noch unsicher. Noch voller Fragen. Das ist normal. Glaube beginnt selten mit Gewissheit – oft beginnt er mit einem ehrlichen „Ich weiß nicht, aber ich will wissen."
Jesus hat nie gesagt: „Komm, wenn du alles verstanden hast." Er hat gesagt:
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken." — Matthäus 11,28
Du darfst kommen. Mit deinen Zweifeln. Mit deinen Fragen. Sogar mit deinem Spott.
Mit Salz gewürzt. Aber auch nicht fade. Nicht angepasst. Nicht so weichgespült, dass nichts mehr übrig bleibt. Salz brennt manchmal – aber es konserviert und gibt Geschmack.
Jedem einzelnen. Nicht jeder braucht dieselben Worte. Der Trauernde braucht anderes als der Hochmütige. Der Suchende anderes als der Verhärtete.
A.W. Tozer schrieb: „Der Mensch neben dir braucht das Evangelium nicht weniger als du – nur anders." Das ist der Kern von Kolosser 4,6: Dieselbe Wahrheit, aber angepasst an den Menschen, der vor dir steht.
Und wenn es nichts bringt?
Paulus schreibt an Titus:
„Einen sektiererischen Menschen weise nach ein- und zweimaliger Zurechtweisung ab, da du weißt, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt und sich selbst verurteilt hat." — Titus 3,10-11
Es gibt einen Punkt, an dem du loslassen darfst. Nicht, weil dir der Mensch egal ist. Sondern weil du seine Entscheidung respektierst – und die Konsequenzen Gott überlässt.
Du bist für dein Zeugnis verantwortlich. Nicht für die Reaktion des anderen.
Gebet
Herr, gib mir Weisheit. Lass mich erkennen, wann ich reden soll und wann schweigen. Und wenn ich rede, lass meine Worte in Gnade sein und mit Salz gewürzt – klar genug, um zu schmecken, und sanft genug, um nicht zu verletzen wo Heilung nötig ist. Amen.